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Was macht Frau am Vatertag

Himmelfahrt 2002: Ein Bericht von Gerlinde Reda

 

Was macht Frau am Vatertag? Richtig, sie sucht sich eine sportliche Herausforderung der besonderen Art. In diesem Jahr ist es der 50km-Marsch in Rengsdorf.


Schon um vier Uhr morgens fahren wir, Irene, Mandy - schwarze Labradomischlingsfrau - und die Verfasserin dieser Zeilen, von Köln aus nach Rengsdorf. Zwischen fünf und sieben Uhr morgens können die Wanderer an den Start gehen. Nachdem wir die Startkarten erworben haben und entschieden haben, was wir alles mitnehmen wollen (Wasser, Nussriegel, Taschentücher u.ä.), wandern wir um viertel nach fünf los. Inzwischen wird es langsam hell und wir können fast von Anfang an den Weg gut sehen. Die Strecke ist gut ausgezeichnet und es sollte keine Schwierigkeiten geben, den Weg zu finden.
Es fängt sofort mit einem Anstieg an, tja 1300 Meter Höhenunterschied wollen absolviert werden, warum also nicht gleich von Beginn an. Es ist eine wirklich anspruchsvolle Strecke, dafür werden wir mit wunderschöner Landschaft und abwechslungsreichen Wegen entschädigt. Die ersten Kilometer geht es durch sehr viel Wald und es dauert bis wir die erste Ortschaft (nach Rengsdorf natürlich) streifen. Vorher gibt es schöne Ausblicke auf die Wied. Es ist ziemlich dunstig, aber es versprich ein sonniger Tag zu werden.
Nach 21 Kilometern holen uns die ersten Läufer ein. Da müssen wir erst einmal schlucken. Schließlich war deren Start erst um acht und nur anderthalb Stunden später sind sie an der Halbmarathonmarke und wie bereits erwähnt, die Strecke bis hierher war nicht einfach. Wie schnell laufen die erst auf einer flachen Strecke!?
Kurz nach den ersten Läufern überholte uns eine Wanderläuferin, d.h. sie ist bei den Wanderern gestartet, bewältigt die Distanz jedoch abwechselnd mit Laufen und Wandern. Nach einem kurzen Gespräch eilt sie weiter. Wir genießen die schöne Landschaft. Wunderschöne Blumenwiesen und blühende Obstbäume säumen den Weg und es gibt immer wieder herrliche Ausblicke (sofern wir uns gerade auf einer Anhöhe befinden). Von weitem hört man Eselsgeschrei oder Pferdewiehern. Später sehen wir auch Pferde und Schafe auf der Weide.
Inzwischen ist es richtig warm geworden, die Sonne scheint auf den nicht bewaldeten Streckenabschnitten ganz schön heiß herunter. Durch die Nässe der vergangenen Tage ist die Luftfeuchtigkeit recht hoch.
Mandy ist topfit und wieselt ständig hin und her, bleibt uns jedoch meist ein paar Meter voraus. Wenn uns ein Läufer oder Wanderer überholt, heftet sie sich zunächst an deren Fersen, schaut sich immer wieder nach uns um und winselt. Ja, sehen wir denn nicht, dass es auch schneller geht? Ein bisschen mehr könnten wir uns schon anstrengen...
Unterdessen kommen wir am Fuße eine Ruine vorbei. Noch eine Kurve und wir sehen auf einen großen Fluss herab. Das muss der Rhein sein. Wir haben uns zwar kurz den Streckenverlauf angesehen, aber - zumindest mir - sagen die Namen der Ortschaften nichts und so trifft uns der Anblick unvorbereitet. Wir wandern ein Stück an den Weinbergen entland. Hier ist auch ein Kontroll- und Verpflegungspunkt, wo wir etwas essen und trinken und uns für dieser Zeit hinsetzen. Wir sind jetzt ca. bei km 27 und es ist etwas belebter, da außer den Wanderern noch viele Läufer und Mountainbiker vorbeikommen.
Nach kurzer Zeit marschieren wir weiter und kommen wenig später an den Kniebrecherweg! Dieser Name prägt sich mir ein und wir ersehen daran, was jetzt auf uns zukommt. Hier gehen wirklich alle, sowohl die Läufer als auch die Mountainbiker, die zusätzlich noch ihr Rad hochschieben müssen.
Inzwischen sind wir wieder etwas einsamer auf der Strecke. Mit einem menschlichen Bedürfnis schlagen wir uns rechts und links in die Büsche und umgehen damit geschickt den nächsten Richtungsweiser. Dies führt dazu, dass wir ein Stück falsch gehen. An der nächsten Kreuzung finden wir keinen Richtungshinweis. Irene lässt ihren Rücksack bei mir und läuft bis zur nächsten Wegkreuzung. Da sie dort natürlich auch kein Schild findet, kehren wir um und sehen, wo unser Fehler lag und wir gehen auf dem richtigen Weg weiter.
Langsam ziehen sich die Kilometer hin. Die letzten Fünf sind für mich ziemlich hart. Meine Fußsohlen brennen und ich fühle mich ausgebrannt. Aber jetzt ist das Ziel fast erreicht, da will ich nicht aufgeben. Außerdem würde ich mich für den Rest meines Lebens ärgern!
Letztendlich erreichen wir das Ziel und haben die Strecke in 10 Stunden und 55 Minuten erwandert. Nun bekommen wir noch eine schöne Urkunde und können uns bei Kaffee und Kuchen stärken. Es gibt auch genügend Duschen, um sich zu erfrischen und den Staub abzuwaschen.
Es war ein wunderschöner Tag in herrlicher Landschaft und eine gut organisierten Veranstaltung. Wem 50km zuviel sind, hätte auch 10, 18 oder 32km wandern, laufen, radeln können. Wenn es terminlich nächstes Jahr in meinen Plan passt, bin ich bestimmt wieder dabei.